"Wir müssen Frieden mit der Natur schließen. Ohne die Hilfe der Natur können wir auf diesem Planeten nicht gedeihen oder sogar überleben."
UN-Generalsekretär António Guterres
Frieden für unsere Ozeane
Meeresschutz ist für die Menschheit überlebenswichtig, sterben die Ozeane, sterben auch wir. Sie produzieren mehr als die Hälfte unseres Sauerstoffs, sind bedeutend für das Klima, Ursprung des globalen Wasserkreislaufs und Nahrungs- und Einkommensquelle für große Teile der Weltbevölkerung.
Die Plastikkrise
Plastik im Meer und an Küsten und Stränden ist eine Gefahr für Meereslebewesen, Vögel, Pflanzen und am Ende für den Menschen. An größeren Plastikteilen verletzen sich Tiere oder sie verfangen sich darin und sterben. Sie verwechseln Plastik mit Nahrung und verhungern mit gefülltem Magen, verletzen sich beim Schlucken oder ersticken an größeren Teilen. Plastik ist ein Magnet für Giftstoffe, ein Transportmittel für invasive Arten, es sondert Giftstoffe ab und deckt Meerespflanzen und Korallen zu oder beschädigt sie. Geisternetze und -seile verursachen Schäden am Meeresboden und werden zur Falle für Meeresbewohner, über die Nahrungskette endet Plastik auf unseren Tellern.
Die Skulptur "Blauer Engel"
Das Material für den Engel und die insgesamt 67 Feuerzeuge auf denen er steht, habe ich an den Stränden der griechischen Insel Kefalonia gesammelt: einen Deckelring für den Heiligenschein, einen Netzschwimmer für den Kopf, ein Stück Geisterseil für das Haar, Nurdles für die Pupillen, Deckel und Flaschenhälse für Hals, Körper und Augen. Das (unidentifizierte) Plastikteil für die Flügel ist laut Aufdruck von einer Firma für Angelbedarf. Der Plastikmüll stammt aus einer nur scheinbar unberührten Umgebung und zeigt, wie präsent Plastik dort ist.
Der Engel soll an den Blauen Engel erinnern, der seit 1978 das Umweltzeichen der deutschen Bundesregierung ist und umweltschonende Produkte und Dienstleistungen kennzeichnet. Er wird auf einem Scheiterhaufen aus angeschwemmten, kaputten Feuerzeugen geopfert.
Inhaltlich steht der Engel für Werte, die auch den Zielen der Vereinten Nationen zugrunde liegen: den Schutz der Natur, den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und die Verantwortung gegenüber kommenden Generationen. Der verwendete Müll macht deutlich, wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Realität ist.
Alle Bestandteile der Skulptur sind hauptsächlich aus Plastik und weltweit in Ozeanen und an Stränden und Küsten in großen Mengen zu finden.
Netzschwimmer
Netzschwimmer werden an Fischernetzen befestigt und tragen die Netze. Sie werden aus unterschiedlichen Kunststoffen hergestellt, es gibt beispielsweise PVC- und EVAC-Schaumstoffschwimmer, die an oder in der Nähe der Wasseroberfläche eingesetzt werden und feste Schwimmer aus Polyethylen und Polypropylen, die sehr robust sind und in größeren Tiefen verwendet werden.
Netzschwimmer sind in allen Stadien des Verfalls sehr häufig an Stränden zu finden, besonders oft in der Nähe von Fischerhäfen.
Nurdles
Nurdles sind Plastikpellets mit einem Durchmesser von 2 bis 5 Millimetern, der Grundstoff aus dem Plastikprodukte hergestellt werden. Nachdem sie produziert wurden, werden sie weltweit zu weiterverarbeitenden Betrieben transportiert. Dabei gehen viele verloren durch Unfälle (Frachtcontainer geht über Bord) oder Unachtsamkeit (beim Be-, Um- und Entladen, in der Produktion, durch undichte Container). Auch die auf Land verschütteten enden über Flüsse häufig im Meer. Es wird geschätzt, dass jährlich an die 230.000 Tonnen Plastikpellets in unsere Ozeane gelangen. Das sind Billionen Nurdles. Es kommt auf die Größe und die Plastikart an, aber man kann mit rund 50.000 Nurdles pro Kilo rechnen, etwa 300 passen in einen Esslöffel. Nurdles sind gefährlich für Meeresbewohner, denn durch ihre Größe und häufig durchscheinende Farbe können sie wie Fischeier oder kleine Tiere wirken, werden also als Nahrung wahrgenommen.
Die Pellets haben noch weiteren Einfluss auf unsere Ökosysteme: Sie können am Strand gemischt mit dem Sand die Temperatur des Bodens und seine Durchlässigkeit verändern, es können sich schädliche Bakterien wie E.coli und Vibrionen auf ihnen ansiedeln oder sie nehmen Schadstoffe wie Insektizide oder giftige und krebsauslösende Chlorverbindungen auf.

































